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Geduld

Wenn ich die krankheitsbedingte Zwangspause abziehe, befinde ich mich mittlerweile seit acht Wochen in regelmässigem Krafttraining. In meinem Fall mit einem Programm jeden zweiten Tag. Vielleicht werde ich es zukünftig anpassen müssen, wie bei Bodybuildern gängige Praxis, mit festen Tagen für bestimmte Muskelgruppen unter Einhaltung von Ruhepausen. Ob es den perfekten Trainingsplan gibt? Ich weiss es nicht, weil sogar erfahrene Coaches zugeben, dass zahlreiche Faktoren (unter anderem auch die genetischen Voraussetzungen) Einfluss auf individuelle Erfolge nehmen.

Letztlich kann man sich zwar anleiten und von diversen Methoden inspirieren lassen, was für einen am besten funktioniert, muss man aber schon selbst herausfinden. Versuch und Irrtum sind ganz natürlich im Sportbereich. Neben unglaublich vielen Mythen und Halbwahrheiten, denen man im Laufe der Jahre automatisch ausgesetzt ist, wird sich der eine oder andere mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dabei ertappen, wie man erfolgreichen Athleten nacheifern möchte. Jetzt ist es aber nicht gerade ratsam, auf einmal zu denken, man sollte wie Chris Bumstead über 5000 Kalorien pro Tag zu sich nehmen. Alleine beim Anblick seiner Spezialmahlzeiten vor Wettkämpfen wird mir eher schlecht. Gesund sieht das nicht gerade aus und fairerweise betont der amtierende Mr. Olympia und derzeit das Mass aller Dinge in seinen abschliessenden Fazit, dass diese Art der Ernährung nicht dauerhaft gut gehen kann.

Ich bin mir unschlüssig, ob ich in ein paar Monaten etwas experimentieren möchte. Mit Mahlzeiten alle drei Stunden beispielsweise. Nachts aufstehen werde ich dafür gewiss nicht, das kann ich jetzt schon garantieren. Nach acht Wochen jedenfalls schleichen sich erste Unzufriedenheiten ein, was eigentlich totaler Quatsch ist, aber ich möchte ehrlich sein. Geduld ist ein grosses Thema beim Kraftsport. Manche bringen sie nicht auf und helfen etwas nach. Das habe ich nicht vor, also bleibt es eine Kopfsache. In meinem Fall dürfte die ersten drei bis sechs Monate eine sichtbare Entwicklung eintreten.

Im ersten Jahr Training lassen sich unter gutten Umständen bis zu 12 kg Muskelmasse aufbauen. Im zweiten Jahr bis zu 6 kg, im dritten Jahr bis zu 3 kg und in den darauf folgenden Jahren nur noch maximal ein bis zwei Kilogramm. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber die Angaben dienen als gute Orientierung. Mit anabolen Steroiden schafft man angeblich bis zu 4 kg in gerade mal sechs Wochen. Muskelwachstum, Regenerationszeit und Fettverbrennung würden verbessert werden. Wer Akne, Haarausfall und Unfruchtbarkeit bedenkenlos in Kauf nimmt, sollte sich halt auch über die irreparablen Schäden von Leber und Herz bewusst werden. Ein sehr hoher Preis für ein schönheitsideal.

Etwas überrascht war ich über die Tatsache, dass man sich Wachstumshormone inzwischen ohne weiteres auf Amazon bestellen kann und nicht irgendwelche Leute kennen muss, die wiederum Kontakte zu zwielichtigen Dealern pflegen. Wer sich dafür entscheidet, sollte ausgiebig zu Risiken und Gefahren aufgeklärt sein. Verurteilen werde ich niemanden, den Moralapostel schon gar nicht spielen, aber mich selbst für einen anderen (natürlichen) Weg entscheiden. Bodybuilder mit Wettkampfteilnahmen ist schliesslich nicht mein persönliches Ziel. Mein Muskelaufbau und der dazugehörige Fitnessfaktor bleibt ein Geduldspiel auf lange Sicht.

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