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Gassi gehen

Mein neues Gesundheitsbewusstsein wird nicht länger von einem festen schönheitsideal gelenkt sein. Früher lag mein Fokus stets auf reinem Muskelaufbau. In meine ersten Phase waren mir dabei nicht einmal Beine wichtig, wofür mich an dieser Stelle jeder professionelle Bodybuilder vollkommen zurecht belächelt hätte. Cardioeinheiten betrachtete ich als notwendiges Übel, wenn ich ehrlich sein soll. Aufwärmen nur, weil es der Fitnesstrainer empfohlen hatte. Beinpresse ja, aber bitte auch nicht zu viel davon. Einen festen Hintern hatte man von alleine in seinen Zwanzigern, man ist ohnehin ständig unterwegs.

In der zweiten Phase einige Jahre später brachte ein ergänzendes Boxtraining einiges mehr an Ausdauer und Durchhaltevermögen mit sich. Ich war da bereits in meinem Dreissigern. Mein Ziel jetzt ist eine ambitionierte Mischung aus klassischem Muskelaufbau (selbstverständlich inklusive beinarbeit) und zähem naturburschen. Jetzt wird der eine oder andere vermutlich laut aufschreien, dass diese Gegensätze überhaupt nicht miteinander vereinbart werden können. Tatsächlich kursieren im Netz immer noch zahlreiche Mythen, dass ich mir mit dem Wechsel zwischen Cardio und Kraft die jeweiligen trainingserfolge zunichte machen werde. „Die Muskeln würden noch vor dem Fett schmelzen“ kann man auch heute noch lesen.

Ebenso gibt es aber zahlreiche neuartige Artikel, die eine gesunde Mischung durchaus empfehlen. Die Meinungen gehen etwas auseinander. Ob es funktionieren kann, ob ich gegebenenfalls intervenieren oder komplett Umdenken muss, wird also eine spannende Sache. Ich werde mir nach Möglichkeit Tipps und Ratschläge von Experten holen und sämtliche Gedanken mit euch teilen.

Um die Fettverbrennung anzukurbeln – weil der Speckbauch nun wirklich mein grösstes Manko im Alter darstellt – habe ich damit begonnen, speziell am Wochenende das Gassi gehen mit unserem Hund zu einem (noch ausbaufähigen) Leistungsmarsch umzufunktionieren. Nachdem wir uns vom Tierarzt trotz diätischer Ernährung und reichlich Auslauf im eigenen Garten anhören mussten, unsere geliebte Annabelle wäre zu dick, haben die letzten Wochen uns beiden nicht geschadet. Ich weiss noch, wie ein ehemaliger Arbeitskollege schlechte Witze über die weibliche Neigung zur Cellulite machte. Was soll ich euch sagen? Durch mein häufiges Sitzen und die ungesunde Ernährung habe ich als Mann genauso geschockt mein Hinterteil im Spiegel betrachtet. Lange Spaziergänge in einem guten Tempo können ein probates Gegenmittel sein und den Stoffwechsel ankurbeln.

Während der Pandemie ist die Anzahl an Haushalten, die sich einen oder mehrere Hunde zugelegt haben, enorm gestiegen. Wir hatten unsere Annabelle schon vorher, aber worauf ich hinaus will, ist die Feststellung, dass viele Menschen sogar einen sehr guten Grund dafür haben, das Haus für einige Stunden zu verlassen. Wenn man aber genauer darüber nachdenkt, wäre eine eigens konzipierte Tierschutz hundeverordnung wohl kaum notwendig, wenn alle genügend Verständnis für artgerechte Haltung mitbringen würden. In diesem Sinne: mein Vierbeiner ist kein Trainingsgerät, auch kein winziges Teetassen Vorzeigeobjekt, sondern ein Lebewesen mit eigenständigen Charakterzügen. Unsere gemeinsamen Routen, von denen ich in weiteren stories berichten werde, tun uns auf jeden Fall unheimlich gut und sorgen für eine harmonische Beziehung zwischen Mensch und Tier.

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