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Zucker

Als ich mich entschieden habe, ab sofort einen gesünderen Lebensstil zu führen, war mir durchaus klar, dass ich vor allem an meiner Ernährung dringend etwas ändern muss. Ohne eine angepasste Diät kann man sich sämtliche Trainingserfolge schnell wieder zerstören. Meine sogenannten „Liebesgriffe“ an den Hüften sind bereits Vergangenheit und ich konnte den Körperfettanteil in kurzer Zeit auf 18 Prozent drücken. Das ist zwar noch weit vom eigentlichen Ziel entfernt, aber ein guter Anfang. An Gewicht habe ich übrigens zugelegt, was aber vorwiegend den Wachstum an Muskelmasse zuzuordnen ist.

Ich wiege inzwischen 95,25 kg und kann ehrlich gesagt kein wirkliches Zielgewicht definieren. Wenn ein Kubikzentimeter Fett angeblich 0,94 g, ein Kubikzentimeter Muskelmasse dafür 1,05 g auf die Waage bringt und dich das eine mit dem anderen ersetze, halte ich am Ende vielleicht sogar das Gewicht, sehe aber komplett verändert aus. Wir finden es gemeinsam heraus. Ein wichtiges Element auf dem Weg dorthin dürfte eine drastische Reduzierung meines täglichen Zuckerkonsums sein, was ich bisher einigermassen gut umsetze. Es war schlicht zu viel und auch hier muss ich brutal ehrlich sein.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte Zucker weniger als 10 Prozent der Energiezufuhr betragen. Für einen durchschnittlichen Erwachsenen wären das 50 g Zucker am Tag. Diese „Energiezufuhr“ kann aber rein rechnerisch kaum die Kalorienmenge darstellen, was bei 10 Prozent des Rechenbeispiels wohl eher 200 g entsprechen würde. Eine korrekte Erläuterung des Wertes bekommt man leider nicht zu lesen und anderen Studien zufolge wäre die maximale tägliche Zuckermenge für Frauen eher 61 g und Männer liegen mit weniger als 78 g richtig.

In den letzten Jahren habe ich selbst diesen Wert locker überschritten, denn es gab Tage mit zwei bis drei Kaffee (pro Tasse mussten es vier Stück Würfelzucker sein), einem Liter Orangenlimonade Spezi oder Fruchtsaft (statt ausreichend Wasser), Schokolade beinahe schon nach jeder Mahlzeit, dazu einseitige Ernährung und weitere Leckereien ohne richtigen Plan. Hauptsache es schmeckt und macht satt. Ein paar Zahlen, um die Dimensionen zu begreifen: vier Stück Würfelzucker sind 12 g, eine 0,5 Liter Flasche Limonade enthält 43,5 g Zucker, Spezi sogar 48,5 g. 100 ml Fruchtsaft enthalten mit dem Hinweis „Ohne Zuckerzusatz“ trotzdem noch 9,2 g, eine Tafel Schokolade 56,3 g Zucker. Es ist erschreckend, wenn ich mir die Tagesmenge hochrechnen würde.

Seit etwas mehr als sechs Wochen verzichte ich nun auf Softgetränke. Statt Kaffee gibt es Espresso (schwarz versteht sich) und Schokolade ist komplett verboten! Stattdessen gibt es zuckerarmes Obst wie Kiwi, Grapefruit, Aprikose, Pfirsich, Heidelbeeren und wenn so eine sch*** Wassermelone nicht aktuell wahnsinnige 15 Euro im Supermarkt kosten würde, zählt auch diese dazu. Ein Apfel enthält übrigens 10 g oder eine Banane 12 g Zucker, als kleine Randnotiz. Nach einigen Tagen des Verzichts fällt einem deutlich auf, wie sinnfrei man zu Süssigkeiten greifen würde – mehr aus dem Impuls heraus, sich etwas in den Mund zu stopfen, obwohl man gar nicht hungrig ist. Aus Langeweile, Frust, Trauer… wirklich erklären kann man dieses Phänomen nicht. Das Gehirn braucht sicherlich etwas Zeit für eine Umkonditionierung, aber ich behalte das Ziel fest im Blick.

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